Dexcom G6-Pflaster austauschen - Die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Viele von euch reagieren, ähnlich wie ich, allergisch auf das Pflaster vom Dexcom G6.
Insbesondere seit Jahresbeginn sind sehr viele dazugekommen, da Dexcom zu diesem Zeitpunkt etwas an der Zusammensetzung des Klebers geändert hat, wie ich auch schon berichtet habe.
Heute stelle ich euch eine Methode vor, mit der ihr das Pflaster komplett austauschen könnt, sodass ihr dem allergenen Stoff idealerweise gar nicht mehr ausgesetzt seid.
Ich darf das Ganze mit der freundlichen Genehmigung von Susanne Georg veröffentlichen, die diese Methode zuerst ausprobiert und entwickelt hat - dafür schon einmal vielen Dank!

 

Warum das Pflaster austauschen?

Vorab schon einmal ein kurzer Disclaimer: Ich bin keine Ärztin und kann keine medizinischen Ratschläge geben. Das hier ist meine persönliche Erfahrung bzw. die von Susanne. Die Methode wurde zwar in Rücksprache mit einer Hautärztin entwickelt, allerdings muss man natürlich im Zweifel das Ganze mit seinem Diabetesteam absprechen.


Ich habe euch hier ja schon einmal die Methode mit einem Pflaster als "Barriere" zwischen Sensorpflaster und Haut vorgestellt. Diese Methode, insbesondere die mit der Hautschutzplatte, funktioniert auch nach wie vor.
Allerdings setzt man sich hier noch, wenn auch in sehr geringen Mengen, dem allergenen Stoff aus und riskiert, evtl. Kreuzallergien zu entwickeln. Das bedeutet, dass man plötzlich auf Stoffe allergisch reagiert, auf die man vorher nicht allergisch war - beispielsweise auf Nasenpads eurer Brille, auf Kopfhörer, ganz normale Pflaster oder auch die Katheterpflaster eurer Pumpe. Bei der Methode mit der Hautschutzplatte ist das Risiko zwar sehr stark herabgesetzt, weil man kaum in Berührung mit dem allergenen Stoff kommt - dennoch ist ein gewisses Restrisiko eben da. 

Ich bin dieses Risiko eingegangen, weil ich einfach nicht auf das CGM verzichten möchte. Für mich ist das CGM noch wichtiger als meine Pumpe - wer meine Geschichte kennt (Stichwort "20 -25x Blutzucker messen täglich), weiß, wieso.

 

Nun stieß ich aber bei Facebook auf die Methode von Susanne, die das Pflaster komplett austauschte.
Da ich das schon mal (erfolglos) beim Freestyle Libre ausgetestet hatte, war ich etwas skeptisch. Damals hatte der Pflasteraustausch nicht viel geholfen - allerdings stellte sich ja im Nachhinein heraus, dass beim Freestyle Libre der allergieauslösende Stoff auch im Sensorgehäuse selbst und nicht nur im Pflaster saß.
Und als dann meine Haut erstmals trotz Hautschutzplatte anfing zu jucken und sogar erste kleine Bläschen warf, war für mich klar: Ich teste den Pflastertausch.

Wie beim letzten Pflastertausch gilt auch hier: Wenn die bastlerisch komplett unbegabte Caro es schafft, ist es prinzipiell für jedes Grundschulkind machbar. Oder, anders ausgedrückt: Der Pflasteraustauch ist wirklich nicht schwierig, wenn man vorsichtig vorgeht und vorher ein bisschen übt. 

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Was ihr braucht:

  • Heißklebepistole (möglichst mit feiner Düse, ich habe eine Mini-Heißklebepistole und mit der funktioniert es gut)
  • ein Pflaster, das ihr statt des Dexcom-Sensorpflasters nutzen wollt (auf Empfehlung von Susanne hin nutze ich hier DracoFixiermull, prinzipiell ist aber jedes hautfreundliche Klebevlies denkbar, mit dem ihr gut zurechtkommt und der möglichst lange klebt)
  • Schere
  • Pinzette
  • Dexcom G6-Sensor

Optional:

  • Lochzange (geht aber auch mit der Schere)
  • Zahnstocher
  • Klebebarriere, z. B. SkinTac, die zusätzlich die Klebkraft des Pflasters erhöht 
  • zusätzliche Fixierung, z. B. mit Opsite flexifix

Eine kurze Erklärung noch zur Heißklebepistole: Manche fragen sich vielleicht, warum es gerade Heißkleber sein soll und ob man nicht irgendeinen anderen Kleber nehmen könnte. Der Grund, wieso es Heißkleber sein sollte, ist der folgende: Heißkleber enthält kein Lösungsmittel und ist ungiftig. Meist enthält er nur eine Komponente (EVA bzw. EVAC) und ist zudem auch noch wasserfest. 

Insbesondere die Lösungsmittelfreiheit ist wichtig, weil es hier sonst ggf. zu weiteren allergischen Reaktionen kommen könnte, insbesondere auch durch die Verbindung mit Schweiß. Bei anderen Klebstoffen ist die Lösungsmittelfreiheit nicht gegeben und deswegen ist hier der Heißkleber vorzuziehen. 

 

 

So geht's:

  •  Sensor auspacken und vorsichtig das Original-Sensorpflaster entfernen. Hier bitte wirklich behutsam vorgehen, ganz langsam ziehen und vorsichtig nachfassen, es löst sich dann schon mit der Zeit ab. Nicht einfach daran reißen, da sich ansonsten der Sensor aus der Setzhilfe lösen könnte - und das wollen wir ja nicht.
  • Wenn das Pflaster weg ist, könnt ihr auch gut sehen, an welchen Stellen vorher Kleber war - das hilft euch später dabei, zu schauen, wo ihr selbst den Kleber auftragt.
    Wenn ihr das Original-Pflaster entfernt habt, sieht der Sensor in der Setzhilfe so aus:
  • Bereitet das Pflaster vor: Ihr könnt ein altes Original-Pflaster als Schablone verwenden, um in etwa die richtige Größe zu erhalten. Oder ihr macht es wie ich und malt euch erst eine schöne Schablone, um euch dann spontan dazu zu entscheiden, dass ihr das Pflaster ja auch kleiner schneiden könntet - das ästhetisch nicht so schöne, aber dennoch brauchbare Ergebnis seht ihr weiter unten.
    Dann macht ihr in die Mitte des Pflasters ein Loch - entweder mit einer Lochzange (das geht am einfachsten) oder mit einer spitzen Schere. Das Loch sollte so groß sein, dass der Sensorfaden durchpasst. Hier könnt ihr euch gut am Original-Pflaster orientieren. Ich habe das Loch zur Sicherheit noch etwas größer gemacht, weil ich etwas Angst hatte, es sonst nicht genau zu treffen - das geht also auch.
  • Parallel könnt ihr schon einmal die Heißklebepistole anschalten und warten, bis der Kleber heiß geworden ist. Dann tragt ihr auf die Stellen, an denen das Pflaster kleben muss, Heißkleber auf und klebt euer vorbereitetes Pflaster an. Hierbei gibt es ein paar Dinge zu beachten:
    • Den Heißkleber nicht auf den Bereich rund um den Sensorfaden bzw. die Öffnung  auftragen (s. rote Markierung in der Abbildung unten). Achtet auch darauf, dass kein Kleber an die Seite läuft, da der Sensor sich in dem Fall nicht aus der Setzhilfe löst. 
    • Nicht zu lange warten - der Heißkleber wird schnell fest und klebt dann nicht mehr.
      Tipp: Ich habe es so gemacht, dass ich  erst nur auf den oberen Teil Heißkleber aufgetragen und dort schon einmal das Pflaster festgeklebt habe (s. blaue Markierung in der Abbildung unten). Als der obere Teil festklebte, habe ich das Ganze für den unteren Sensorteil wiederholt (s. grüne Markierung in der Abbildung unten). Dadurch gewinnt man Zeit und es arbeitet sich deutlich entspannter. ;)
    • Kontrolliert, ob das Pflaster am Sensorgehäuse festklebt - falls nicht, könnt ihr vorsichtig nachbessern
  • Zusatztipp:
    Übt das Ganze auf jeden Fall vorher bei einem alten Sensor. Es hilft ungemein, wenn man sich den schon einmal genau angeschaut hat und die Heißklebepistole damit getestet hat. Grundsätzlich ist es wirklich nicht schwierig, solange ihr vorsichtig und zügig arbeitet. 

So sieht das Ganze dann mit dem ausgetauschten Pflaster aus (wie gesagt, man kann das durchaus schöner schneiden als ich... ;))

  • Nun den Sensor wie gewohnt setzen. Auch hierzu noch ein paar Tipps:
    • Ich persönlich verwende vor dem Setzen noch SkinTac - einerseits als Hautschutz, andererseits, weil es die Klebkraft des Pflasters nochmals erhöht. Ihr könnt hier aber nehmen, womit ihr gute Erfahrungen gemacht habt. Das kann auch bedeuten, dass ihr überhaupt keinen Hautschutz auftragt (da ihr ja nicht das Original-Pflaster benutzt, sollte der auch nicht notwendig sein).
    • Falls ihr nach dem Setzen feststellt, dass der Sensor noch nicht richtig am Pflaster klebt, könnt ihr nachbessern: Dazu etwas Heißkleber auf einen Zahnstocher auftragen und damit den Kleber zwischen Sensor und Pflaster platzieren. 
      Achtung: Hierfür dann nur den ersten Tropfen Heißkleber nehmen, der noch nicht so heiß ist, da hierbei der Heißkleber sehr nah an die Haut kommt und ihr euch sonst verbrennen könntet.
    • Ich fixiere meine Sensoren grundsätzlich auch noch zusätzlich mit Opsite Flexifix, weil ich mich damit einfach sicherer fühle. Das ist aber ebenfalls Geschmackssache.
      Grundsätzlich sollte das Pflaster auch ohne Fixierung gut halten - evtl. müsst ihr an den letzten Tagen zusätzlich fixieren, auch je nachdem, was ihr gemacht habt (viel Sport sorgt z. B. üblicherweise dafür, dass das Pflaster sich schneller löst). Das ist individuell und könnt ihr für euch testen.
  • Nun den Transmitter aufstecken, Sensor wie gewohnt starten - Fertig!

Und wenn etwas schiefgeht?

Grundsätzlich können wir natürlich keine Garantie dafür übernehmen, dass alles bestens funktioniert und bei der Bastelei nicht vielleicht doch ein Sensor kaputtgeht. Daher erfolgt das alles erst "auf eigene Gefahr".

Es ist allerdings davon auszugehen, dass Dexcom Garantieansprüche hier kulant handhaben wird, solange ihr nicht 6 Sensoren auf einmal reklamiert.

Grundsätzlich ist das Problem ja auch bei Dexcom bekannt und auch von deren Seite wird empfohlen, eine Methode zu finden, die gegen die Allergie hilft. Und für Dexcom ist es ja schlussendlich auch besser, wenn ihr es schafft, die Pflaster auszutauschen und dadurch den Sensor weiterhin verwenden könnt, als wenn ihr zu einem anderen Hersteller wechselt.

 

Bei aller Freude über eine neue "Anti-Allergie-Methode" muss ich aber auch noch etwas loswerden:

Nur, weil es mit dieser Methode (oder auch anderen) vielleicht möglich ist, den Sensor trotz Allergie weiterhin zu nutzen, heißt das nicht, dass ihr euch damit "zufriedengeben" müsst.

Nach wie vor fände ich es viel besser, wenn am Pflaster wieder etwas geändert werden oder es eine hypoallergene Alternative geben würde. Denn alle Methoden sind natürlich für die Anwendenden mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden, der zu der "normalen" Diabetestherapie noch on top kommt.

Ich bin dankbar, dass ich so noch die Möglichkeit habe, den Sensor zu nutzen, würde aber trotzdem weiterhin allen Allergiegeplagten dringend empfehlen, euch mit eurem Problem immer auch bei Dexcom zu melden. Dexcom muss wissen, wie viele Menschen betroffen sind, sonst wird sich dort auch wenig tun.
Zusätzlich solltet ihr das Ganze möglichst auch dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und  Medizinprodukte) melden, und zwar als Vorkommnis (nicht als Nebenwirkung). Das setzt ein formelles Verfahren in Gang.

Die Meldung ist für euch natürlich kostenfrei und nicht besonders aufwändig. Zum Meldeformular gelangt ihr über diesen Link: https://www2.bfarm.de/medprod/mpsv/ . Es gibt auch ein PDF-Formular zum Ausdrucken, das ihr über diese Übersichtsseite findet (unter "Vorkommnisse: Anwender, Betreiber und sonstige Inverkehrbringer (offline, PDF-Formular)"): https://www.bfarm.de/DE/Service/Formulare/functions/Medizinprodukte/_node.html

Das nur noch als Schlusswort. ;)

 

Ich werde euch bei Instagram (dort findet ihr mich unter extrasuess.diabetesblog) und auch hier natürlich auf dem Laufenden halten, wie die Methode bei mir funktioniert. 


Falls ihr es auch ausprobiert, schreibt mir gern in die Kommentare, wie es bei euch klappt - Erfahrungswerte sind da super wichtig! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Detlef Roß (Freitag, 30 Oktober 2020 20:03)

    Hi Caro. Die Methode funktioniert bestens. Ich persönlich nutze Fixomull Stretch und habe seit dem keine Probleme mehr mit allergischen Reaktionen. Beim ersten Sensor ist es mir passiert das Heißkleber zwischen Sensor und Setzhilfe gelangt ist, der löste sich natürlich nicht freiwillig. Hab ihn aber dennoch befreien können und er lief auch seine 10 Tage.
    Bei einem anderen ist mir zuviel Kleber nach innen reingelaufen, sodass ich den TM fast nicht rein bekommen habe, aber auch den konnte ich zum Glück mit ein bischen Fummeln retten.
    Alles in allem eine gute Möglichkeit das System weiter nutzen zu können. Danke dir für den Tip.
    VG Detlef

  • #2

    Susanne Georg (Montag, 02 November 2020 17:35)

    Liebe Caro, lieben Dank noch einmal für deinen tollen Blogbeitrag! :-) Ich nutze die Methode seit April wie du weißt und habe keinerlei Symptome mehr. Ich freue mich, den G6 unbeschwert weiter tragen zu können. Einen Sensorausfall hatte ich noch nicht, alle hielten die 10 Tage. So wie Detlef schreibt, benötigt es ein wenig Erfahrung, wo und in welcher Menge der Heißkleber aufzutragen ist. Anfangs hatte ich zwei Sensoren, die sich nicht gleich von der Setzhilfe lösten. Mittels einer Pinzette konnte ich den Sensor jedoch "retten". Später wird das alles zur Routine. Ich hoffe, dass es einige Betroffene mal ausprobieren. Sollte etwas schiefgehen, wird sich Dexcom voraussichtlich kulant zeigen. Insofern ist es einen Versuch wert. :-)