Allergische Reaktion auf CGM-Pflaster - und was ich dagegen tue

Lange angekündigt, jetzt gibt es endlich etwas Neues von der "Allergie-Front". 

Ich habe gemerkt, dass das Interesse am Thema "Pflasterallergie" doch relativ hoch ist, was ich an den hohen Aufrufzahlen meines Beitrags zur Freestyle Libre-Pflasterallergie sowie den dort vorhandenen Kommentaren sehen kann. Dafür möchte ich euch erstmal noch ein großes Kompliment aussprechen: Den Austausch dort finde ich toll und ich hoffe nach wie vor, dass sich für alle Allergiegeplagten da draußen irgendeine Lösung findet!

 

Heute geht es allerdings nicht vordergründig um das Freestyle Libre, sondern vielmehr um eine Allergie gegen das CGM-Pflaster (in meinem Falle Enlite von Medtronic). Wie ich auf das CGM-Pflaster reagiere und was ich getan habe, um es trotzdem nutzen zu können, möchte ich euch heute (inklusive bebilderter Anleitung) zeigen - in der Hoffnung, dass ich damit dem ein oder anderen Leidensgenossen helfen kann. Und vielleicht lässt sich das Ganze ja auch auf das Freestyle Libre übertragen, denn die Schritte sind auch beim Libre durchaus in leicht abgewandelter Form anwendbar.

 

Endlich ein CGM!

Wie schon berichtet, habe ich in Bezug auf das Freestyle Libre wirklich unzählige Versuche gestartet, ein Mittel gegen die Ausschläge zu finden - von Blasenpflaster, Sprühpflaster, Tape bis hin zu komplettem Austausch des Pflasters war alles dabei - geholfen hat leider nichts. Umso begeisterter war ich, als ich dann im März 2018 die Zusage erhielt, dass die Krankenkasse das CGM-System zu meiner 640g (Enlite) bewilligt hat! Für mich war ein CGM schon immer die "Luxus-Variante" des FGM (Freestyle Libre), was ich auch schon in meiner Aufstellung zu den Vor- und Nachteilen des Freestyle Libre habe durchblicken lassen.

Besonders gut finde ich, dass es schlichtweg konstant eine Kurve anzeigt, ohne dass man noch ein zusätzliches Gerät zum Scannen bräuchte und dass man eine Alarmfunktion hat, die das Freestyle Libre damals (mittlerweile gibt es ja das Freestyle Libre 2) noch nicht hatte. Und auch, wenn viele es toll finden, dass das Freestyle Libre nicht kalibriert werden muss: Ich wäre für die Möglichkeit des Kalibrierens sehr dankbar gewesen, weil es einfach oft konstant ca. 50 mg/dl zu wenig anzeigte und mit einem ständigen "LO" konnte ich nunmal wenig anfangen. Diese Kalibrierung habe ich jetzt beim Enlite.

Zu guter Letzt werden die Enlite-Sensoren nur 6 (künftig 7) Tage getragen - auch hier wieder für viele ein Nachteil gegenüber den 14 Tagen vom Freestyle Libre, aber für mich ein entscheidender Vorteil des CGM: Ich hatte die Hoffnung, dass der Kleber dann auch weniger aggressiv ist und es meiner Haut damit besser geht. Naja, machen wir's kurz: Pustekuchen.

 

Pflaster-Allergie-Maßnahme Step-by-Step

Der Sensor meines CGM zeigte bei mir eben jene Probleme, die ich schon vom Freestyle Libre kannte: Jucken, Hautrötungen, Pusteln, trockene Stellen. Nach der ersten Verzweiflung wollte ich mich damit aber nicht abfinden und habe eine, zumindest für mich, funktionierende Methode gefunden, die ich euch hier einmal Schritt für Schritt zeige.
Davor aber noch der Hinweis: Meine folgende Anleitung bezieht sich auf das CGM-System von Medtronic (Enlite), kann aber mit leichten Modifikationen vermutlich auch auf andere Systeme übertragen werden.
Alle Produkte, die ich verwende, habe ich selbst gekauft und niemand bezahlt mich dafür, dass ich diese hier vorstelle. Es sind Produkte, mit denen ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe - das ist aber natürlich keine Garantie, dass es auch bei euch funktioniert (das habe ich im Falle des Freestyle Libre ja selbst schmerzlich feststellen müssen - Methoden, die bei anderen toll funktionierten, halfen bei mir gar nicht). 
Aber einen Versuch ist es vielleicht trotzdem wert. 

Was ihr braucht:

  • den Sensor und Transmitter
  • Setzhilfe
  • Cavilon-Spray (oder Alternativen wie Sensi-Care)
  • Hydrogel-Pflaster* 
  • Schere
  • Lochzange (man kann aber auch eine spitze Schere verwenden)
  • Tape/Pflaster zum Fixieren **
  • evtl. Pinzette, Nadel oder anderer spitzer Gegenstand

 

* In meinem Fall Go-Tac - ich bestelle immer bei Amazon die Packung mit 8 kleinen Pflastern. Andere Marken habe ich nicht getestet, da das die erste Marke war, die ich ausprobiert habe und direkt gute Erfahrungen gemacht habe. Einmal habe ich allerdings ein Blasenpflaster von Hansaplast ausprobiert, das ja bei vielen beim Freestyle Libre hilft - das hat mir hier nicht so gut geholfen.
** Hier verwende ich Opsite Flexifix. Man kann aber auch die mitgelieferten Pflaster von Medtronic nehmen oder jegliches anderes Pflaster, das man verträgt.

 

1. Schritt: Hydrogel-Pflaster zuschneiden

Als erstes schneide ich mit der Schere das Hydrogel-Pflaster auf die Größe und Form des Sensorpflasters zu. Hierfür könnt ihr  euch mit Hilfe eines alten Sensorpflasters eine Schablone basteln; ich selbst schneide ehrlich gesagt auch oft "nach Gefühl", weil es mich nicht stört, wenn das Hydrogel-Pflaster z. B. etwas übersteht.

 

2. Schritt: Loch für den Sensorfaden stanzen

Als nächstes stanze ich in das zugeschnittene Hydrogel-Pflaster ein Loch für den Sensorfaden. Dieser wird ja später mit Hilfe der Setzhilfe "durchgeschossen" und das Pflaster ist m. E. etwas zu dick, um zu riskieren, den Faden dort durchzuschießen. Mit dem Loch geht man da auf Nummer sicher. Mit der Lochzange ist es deutlich einfacher, aber anfangs habe ich auch einfach mit einer spitzen Schere ein kleines Loch ausgeschnitten - das geht genauso, solltet ihr keine Lochzange haben.

 

3. Schritt: Sensor in der Setzhilfe platzieren

Hierzu muss ich, denke ich, nicht viel erklären. Ihr platziert den Sensor einfach ganz normal, wie sonst auch, in der Setzhilfe.

 

4. Schritt: Schutzfolie entfernen

Als nächstes zieht ihr vorsichtig die Schutzfolie vom Sensorpflaster komplett ab. An dieser Stelle weicht meine Anleitung dann schon etwas vom offiziellen Medtronic-Schulungsvideo ab, denn in diesem wird die Schutzfolie erst nach dem Setzen des Sensors abgezogen.
Das habe ich aber, ehrlich gesagt, auch vor der "Allergie-Methode" nie so gehandhabt, weil es, wenn man sich den Sensor alleine setzt, einfach deutlich leichter ist, die Schutzfolie schon vorher zu entfernen. Das wurde mir übrigens in der Schulung auch direkt so gezeigt. Auch hier natürlich keine Garantie, aber die hier gezeigte Methode funktioniert jedenfalls nur, indem die Schutzfolie vorher entfernt wird.

 

5. Schritt: Schutzfolie vom Hydrogel-Pflaster teilweise lösen

Jetzt löst ihr einen Teil der Schutzfolie vom Hydrogel-Pflaster schon mal ab. Das macht es später leichter, die Folie ganz abzuziehen. Ich habe auch schon die Folie a) gar nicht und b) komplett abgelöst. Das geht beides auch, ist aber etwas schwieriger. Ohne Folie wird das Ganze etwas instabil und mit komplett angeklebter Folie wird es später ziemlich knifflig. Daher am besten so. ;)

 

6. Schritt: Hydrogel-Pflaster auf das Sensorpflaster kleben

Das hier ist prinzipiell der entscheidende Schritt. Ihr klebt jetzt das Hydrogel-Pflaster ganz vorsichtig auf das Sensorpflaster. Hierbei orientiert ihr euch am zuvor ausgestanzten Loch - dort "fädelt" ihr die Setznadel hindurch und drückt dann den Rest des Pflasters vorsichtig an (bitte nicht mit den Fingern, sondern mit einem spitzen Gegenstand, z. B. einer Schere oder einer Pinzette). Dann könnt ihr auch den Rest der Schutzfolie abziehen, sodass es dann letztlich aussieht wie auf dem Bild.
Auf dem Bild seht ihr übrigens auch, dass ich das Hydrogel-Pflaster, wie schon erwähnt, nicht mit Schablone ausgeschnitten habe, sodass es über das Sensorpflaster hinaus übersteht. Das könnt ihr also gerne auch schöner machen - mich stört es aber, wie gesagt, nicht. ;)

 

7. Schritt: Cavilon aufsprühen

Bevor ihr den Sensor setzt, sprüht ihr auf eure Haut als Schutz noch Cavilon auf.*

Wer es nicht kennt: Cavilon ist eine Art Sprühpflaster, das sich wie ein Schutzmantel auf die Haut legt . Es bildet damit eine zusätzliche, transparente Schicht auf der Haut und schützt etwas vor äußeren Einflüssen - allerdings höchstens 72 Stunden lang, also nicht die gesamte Sensor-Tragezeit über. Ich fühle mich mit dem Spray trotzdem nochmal etwas besser und merke auch den Unterschied, wenn ich es mal nicht verwendet habe. 

Um nicht nur für das (zugegebenermaßen nicht ganz günstige) Cavilon zu "werben": Es gibt auch eine günstigere Alternative, nämlich Sensi-Care. Das funktioniert nach dem gleichen Prinzip, kostet aber weniger. Für mich funktioniert es nicht ganz so gut wie Cavilon, aber ich habe schon von vielen gehört, dass sie keinen Unterschied feststellen. Also kann man es zumindest mal testen. Wenn man damit klarkommt, ist das Sensi-Care Spray zumindest die günstigere Wahl.

 

* Wer das immer so handhabt, kann die Haut vorher natürlich noch desinfizieren (bitte gut trocknen lassen). Ich mache es nicht mehr, da m. E. eine normale Reinigung der Haut ausreicht und Desinfektion bei manchen allergische Reaktionen eher noch verstärkt - aber das ist meine persönliche Erfahrung und muss keinesfalls so übernommen werden. Ich habe das Ganze auch schon mit vorheriger Desinfektion durchgeführt und das klappt genauso gut.

 

8. Schritt: Sensor setzen

Ab jetzt läuft alles wieder wie gewohnt. Ihr setzt den Sensor ganz normal mit Hilfe der Setzhilfe. Dann klebt er erstmal so auf der Haut, wie ihr es oben auf dem Bild sieht. Deutlich zu erkennen ist, dass das Hydrogel-Pflaster sich jetzt unter dem Sensorpflaster befindet und es somit "abschirmt". Die Nadel müsst ihr natürlich noch rausziehen, aber das wisst ihr ja, wenn ihr den Sensor bereits kennt. ;)

 

9. Schritt: Fixieren und Transmitter anstecken

Der 9. Schritt ist hier nur aufgeführt, um das Ganze zu komplettieren - er weicht nämlich ebenfalls nicht vom "normalen" Prozess ab. Ihr fixiert das Pflaster gut, damit es sich während der (mindestens) 6 Tage Tragedauer nicht verabschiedet. Gerade beim Hydrogel-Pflaster solltet ihr darauf achten, es wirklich gut an allen Stellen "abzukleben", da es sich beim Duschen z. B. je nach Dauer auch gerne etwas mit Wasser vollsaugt und das kann dann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Sensor nicht mehr richtig funktioniert, weil der Faden sich aus der Haut löst. 
Ich schneide mir hierfür immer ein paar schmale Streifen Opsite flexifix zu und fixiere mit diesen das Pflaster rundherum. Dann stecke ich den (geladenen) Transmitter an und fixiere diesen auch nochmal mit Opsite flexifix - sicher ist sicher. Ihr könnt, wie oben schon erwähnt, auch andere Pflaster, Folien, Tapes etc. nehmen - es sollte nur etwas sein, das eure Haut gut verträgt und das auch 6 Tage lang wirklich gut klebt.

Fertig! :)

Das war jetzt die Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich die Allergie (zumindest seit knapp 1.5 Jahren) einigermaßen in den Griff bekommen habe. Wenn ich das Pflaster nach 6 Tagen löse, habe ich kaum Rötungen (nur an der Stelle, an der das Loch war) und es juckt auch fast gar nicht.

Ich hoffe, dass das Ganze so bleibt, und dass meine Methode vielleicht auch dem ein oder anderen unter euch hilft. Über Berichte freue ich mich immer - gerne natürlich auch über weitere Methoden, die ihr schon getestet habt (positiv wie negativ)!