Freestyle Libre-Pflaster austauschen: Der Selbstversuch

Einige von euch werden es ja auf Instagram evtl. schon mitbekommen haben: Ich habe vor einiger Zeit mal wieder einen neuen Anlauf mit dem Freestyle Libre gestartet. 

Was genau ich gemacht habe und wie es funktioniert hat, berichte ich euch heute.

 

Vorab sei aber einmal erwähnt, dass ich keine Garantie übernehme, dass diese Methode funktioniert und dass es jedem selbst überlassen ist, ob er es in dieser Form ausprobieren möchte. Ich berichte hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen.

 

Nagelmasse?!

Wie an der Überschrift schon zu erkennen, wollte ich diesmal das Freestyle Libre-Pflaster komplett entfernen und gegen ein neues austauschen. Die Idee hatte ich aus der Facebook-Gruppe Freestyle Libre Anwender. Von dort stammt auch die Anleitung, die ich dann letztlich verwebder habe. Außerdem habe ich mir noch dieses Video bei YouTube angeschaut, um auch mal einen visuellen Eindruck davon zu bekommen, wie das Austauschen eigentlich vonstatten geht. Danach wusste ich zwar besser Bescheid, hatte dafür aber Bedenken, ob ich den Sensor nicht vielleicht schon ruiniere, bevor es überhaupt richtig losgeht.

Nun erstmal zu den Dingen, die man zum Austauschen braucht. In meinem Fall waren das 

  • eine Nagelschere
  • Nagellackentferner
  • Nagelmasse
  • eine Pinzette
  • Fixomull Stretch

Allein von den Komponenten her könnte man also fast denken, ich wollte nur mal eine ordentliche Maniküre durchführen. 

 

Da ich bei Facebook noch einige Fragen gestellt habe und dabei feststellen musste, dass alleine das Wort "Nagelmasse" bei einigen pure Panikanfälle auslöst: Keine Sorge. Nagelmasse wird normalerweise verwendet, um eingerissene Finger- oder Fußägel zu kleben und ist daher normalerweise nichts Gefährliches (wenn man nicht gerade allergisch darauf reagiert). Wem das mit der Nagelmasse aber so gar nicht geheuer ist, der kann auch Klebeband verwenden, dazu verweise ich auf das oben verlinkte Video. Ich fand die Variante mit Nagelmasse etwas einfacher, aber das ist natürlich individuell.

 

Auf zum Basteln!

Wer als Kind schon gerne gebastelt hat, für den mag das ja alles eine nette Angelegenheit sein. Wer aber, wie ich, in seinem Grundschulzeugnis regelmäßig Sätze wie "Carolin muss immer noch lernen, wie man eine Schere richtig hält" stehen hatte, der bricht bei dem Gedanken nicht gleich in Jubelgeschrei aus.

Ich wollte ja das Pflaster aus diesem Grund eigentlich gar nicht austauschen. Ich weiß genau um mein fehlendes Basteltalent und einfach mal so einen Sensor deshalb ruinieren wollte ich nicht.

Der Sinneswandel kam dadurch, dass ich dringend eine Kurve von meinen nächtlichen Werten brauchte. Ich war zu der Zeit nämlich mit dem nächtlichen Basalratentest beschäftigt. Ergebnis: Wenn ich mir nachts den Wecker 2x stelle, um zu messen, ist alles okay, wenn ich aber durchschlafe, bin ich dauernd morgens zu hoch. Um trotz Durchschlafens auch mal meinen nächtlichen Verlauf sehen zu können, musste also das Libre her. Das kann ich dank meiner Allergie aber ja bekanntermaßen eigentlich nicht nutzen und das Basteln war schlichtweg die letzte Alternative.

 

Jetzt zum eigentlichen Vorgehen.

  • Zuerst den Sensor aus dem Applikator nehmen. Das kann man im Video sehr gut sehen. Ich habe dazu die Nagelschere genommen und diese als Hebel benutzt; sie also vorsichtig ein Stück unter den Sensor geschoben und dann nach oben gedrückt. Wenn man das nicht gerade mit roher Gewalt hat, klappt das tatsächlich sehr gut.
  • Das Original-Pflaster ablösen. Hierbei reicht es nicht, das Pflaster einfach abzuziehen, sondern es muss wirklich bis auf die letzten Reste entfernt werden. Ich habe hierzu Nagellackentferner verwendet, man kann aber beispielsweise auch Dermasol nehmen. Wichtig ist auch, dass ihr nicht nur das weiße Pflaster selbst abzieht, sondern auch die durchsichtige Folie darunter.
    Für den ultimativen Test habe ich übrigens einen kleinen Teil des entfernten Original-Pflasters später an meinen anderen Arm geklebt, zum Ergebnis später mehr.
  • Dann das Fixomull Stretch auf die Größe des Sensors (minimal größer) zuschneiden. In der Mitte muss ein Loch bleiben. Das kann man entweder mit einer Lochzange oder einem Locher machen, ich habe aber auch hier einfach die Nagelschere verwendet. Den Bereich darunter habe ich ebenfalls noch ausgeschnitten (s. Video), da dieser Bereich auf dem Sensor ohnehin vertieft ist und deshalb auch schwieriger anzukleben gewesen wäre.
  • Die Nagelmasse (meine war z.B. von Gehwol) auf den Sensor auftragen, z.B. mit einem Pinsel oder auch einfach mit Hilfe der Flasche, in der sie sich befindet. Dabei solltet ihr wirklich sparsam vorgehen, ich habe fast schon zu viel genommen. Wichtig ist auch, dass nichts in die Vertiefung des Lochs hineinkommt, damit später nichts von der Nagelmasse am Sensorfaden hängenbleibt.
  • Dann das Fixomull Stretch (oder auch irgendein anderes verträgliches Pflaster) auf die Nagelmasse drücken, noch bevor sie getrocknet ist. Überall gut andrücken, damit es auch wirklich gut hält. Danach warten, bis die Nagelmasse getrocknet ist. Dann sollte das Fixomull Stretch gut am Sensor kleben. Dann schon mal eine ganz kleine Ecke der Schutzfolie vorsichtig ablösen, das macht das gesamte Ablösen später leichter.
  • Jetzt kommt der Punkt, vor dem ich ja am meisten Angst hatte, weil ich dachte, dass ich dabei vielleicht irgendwas kaputt machen könnte. Der Sensor muss jetzt nämlich wirklich vorsichtig zurück in den Applikator gesetzt werden. Dabei muss der Sensor wieder wie zuvor eingelegt und sanft angedrückt werden. Das Andrücken kann dabei mit der Nagelschere oder auch mit der Pinzette stattfinden. Wenn man zu stark drückt, könnte der Applikator auslösen, deshalb ist vorsichtiges Vorgehen dabei wirklich wichtig.
  • Nun die Schutzfolie vom Fixomull Stretch mit Hilfe der Pinzette komplett abziehen. Die kleine Ecke, die vorher abgelöst wurde, kann dabei mit der Pinzette gut gegriffen werden.
  • Ab dann ist das Vorgehen genauso, wie es normalerweise vorgesehen ist.

Ja, was soll ich sagen? Selbst bei jemandem, der wirklich nicht bastlerisch begabt ist, hat es funktioniert, also sollte es eigentlich jeder schaffen :D

Ich muss aber sagen, dass Fixomull zwar gut hält, ich aber von Anfang an den Sensor auch zusätzlich mit Opsite flexifix fixiert habe.

 

Fazit

Der Aufwand ist schon ziemlich hoch. Verständnislos wurde ich gefragt, warum ich mir sowas eigentlich antue. Nunja, wenn man eben dringend eine Nachtkurve braucht und die Vorteile des Freestyle Libre zu schätzen weiß, nimmt man eben so einiges in Kauf. Diejenigen, die nie Probleme mit Allergien hatten, können das vielleicht nicht nachvollziehen, aber wenn ich mit dieser Methode wirklich Erfolg gehabt hätte, wäre ich ohne zu Zögern bereit gewesen, das weiterhin so durchzuziehen.

 

Ihr merkt schon am Konjunktiv... es wurde nichts. Ich habe schon am zweiten Tag gemerkt, dass es anfing zu jucken. Aber ich wollte ja tapfer durchhalten. Ich habe es auch bis zum Tag 8 geschafft, dann löste sich der Sensor trotz Fixierung über Nacht ab und damit war mein Experiment beendet. Das Ergebnis war leider ernüchternd.

 

Ich hatte nach nur 8 Tagen schon wieder den üblichen Ausschlag, der auch juckte und nässte und später (s. Foto) extrem trocken wurde und sich abschälte. Es scheint also bei mir nicht nur das Pflaster zu sein, was ein Problem darstellt.

Jetzt könnte man vermuten, dass es vielleicht gar nicht am Pflaster liegt, aber ich hatte ja das Original-Pflaster auf meinen anderen Arm geklebt... was soll ich sagen, schon nach 4 Tagen habe ich es nicht mehr ausgehalten und das Pflaster entfernt. Das ist jetzt fast  2 Monate her und man sieht immer noch einen inzwischen verblassten roten Fleck. Denn auch das Original-Pflaster hat bei mir eine extreme Hautreaktion ausgelöst - leider.

Für mich war das Austauschen des Freestyle Libre-Pflasters also leider ein Flop, aber vielleicht geht es ja einigen von euch anders und es hilft jemandem. Positive Berichte würden mich auf jeden Fall freuen.

Für mich war damit allerdings die letzte Alternative weggefallen und umso erfreuter bin ich, dass meine Krankenkasse mir zwischenzeitlich für eine Probezeit das CGM bewilligt hat! :) Medtronic hat ja allerdings bekanntermaßen momentan extreme Lieferschwierigkeiten, weshalb das wohl vor Anfang des nächsten Jahres nichts wird. Aber es ist immerhin ein erster Schritt. Denn mit mir und dem Freestyle Libre wird es nach dieser Erfahrung wohl endgültig nichts mehr.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Guenter W. (Montag, 29 April 2019 14:11)

    Hallo,
    mach Dir nicht so viel Mühe, die Ursache ist wahrscheinlich nicht die Klebefläche..
    Es liegt hächstwahrscheinlich an der Zusammensetzung des Einwegsensors, also des Fadens der in die Haut geschossen wird.
    Untersuchungen an Patienten haben ergeben, dass es sich um Kontaktallergien auf Isobornylacrylat (IBOA) handelt. Diese bekannte Allergen konnte nicht in der Klebefolie, sondern nur im Sensor selbst nachgewiesen werden. Abbott sollte hier schnellstmöglich einen anderen Stoff als IBOA einsetzen.
    Die Testung auf IBOA-Allergie ist schwierig, da eine Lösung IBOA 0,1% pet. erforderlich ist, die der Hersteller der Sensoren zur Verfügung stellen sollte.
    Fazit: Solange IBOA im Sensor ist, müssen wir wohl auf das tolle Sensorsystem verzichten und in die Steinzeit zurückkehren.
    Siehe auch meine beiden anderen Beiträge in diesem Blog!
    Gruß Günter

  • #2

    Caro (Dienstag, 07 Mai 2019 10:56)

    Lieber Günter,
    danke für deine Antwort. Du hast da einen interessanten Ansatz, der auf mich persönlich allerdings wohl, wenn überhaupt, nur zum Teil zutrifft.
    Wie oben beschrieben, habe ich ja einen Teil des Sensorpflasters abgeschnitten und einfach "pur" auf meinen Arm geklebt. Und auch hier hatte ich den entsprechenden Hautausschlag, obwohl kein Sensorfaden vorhanden war. Es kann natürlich sein, dass ich auf IBOA UND den Kleber reagiere, aber ausschließlich IBOA im Faden kann es definitiv nicht sein. Ich kenne mich aber, ehrlich gesagt, auch zu wenig mit den Inhaltsstoffen etc. aus, als dass ich da Genaueres zu sagen könnte.
    Liebe Grüße
    Caro