Die ersten Tage mit der Pumpe - Was lief gut?

Schon länger angekündigt, kommt es hier endlich: Mein erstes Fazit zur Pumpe (insoweit man nach knapp zwei Wochen ein Fazit ziehen kann).

Wie ihr unschwer an der Überschrift erkennen könnt, soll es hier jetzt darum gehen, was bisher alles gut lief bzw. in welchen Situationen ich die Pumpe als sehr hilfreich empfunden habe.

In einem weiteren Post werde ich dann darauf eingehen, was mich genervt hat (oder - man soll es ja positiv formulieren- "Was besser laufen könnte" ;-)).

 

Der Bolus-Expert

Wofür ich die Pumpe absolut liebe, ist der BolusExpert.

Ich konnte hier meine KE- und Korrekturfaktoren eingeben und schon rechnet die Pumpe alles für mich aus. Das ist aber auch ganz gut, bei so krummen Faktoren wie 1.75:1.

Besonders genial ist, dass die Pumpe auch noch das aktive Insulin mit einbezieht. NovoRapid hat eine Wirkdauer von ca. 4 Stunden. Das vergesse ich im Alltag aber gerne mal. Deshalb hier kurz zwei Situationen - früher mit Pen, heute mit Pumpe:

 

1. Ich messe 2 Stunden nach dem Frühstück meinen Blutzucker; der Wert liegt bei 196 mg/dl.

Mit Pen: Panik! Zu hoher Wert! Spritzen! Zwar habe ich nie exzessiv korrigiert, aber eine Einheit (senkt um ca. 50 mg/dl) hätte ich wohl schon gespritzt. Die Folge: Das noch aktive Insulin und das neu gespritzte Insulin überlagerten sich und nach weiteren 2 Stunden war ich dann plötzlich zu niedrig. Daraus könnte man lernen... wenn da nicht das ungute Gefühl wäre, den schlechten Wert einfach so stehen zu lassen.

Mit Pumpe: Die Pumpe hält mir direkt vor Augen, wie viel aktives Insulin ich noch habe. Wenn ich also 196 mg/dl messe und sehe, dass ich noch 2.2 U aktives Insulin habe, ist die Hemmschwelle, einfach trotzdem zu korrigieren, doch um einiges größer - und das ist gut so. Ich lerne also jetzt, auch mal weniger gute Werte "auszusitzen" und war ganz überrascht, dass ich nach 4 Stunden tatsächlich einen super Wert hatte. (Hinweis für Ambitionierte: Natürlich ist auch mir klar, dass die Blutzuckerspitzen nach dem Essen vermieden werden sollten. Trotz Spritz-Ess-Abstand klappt das aber leider eben nicht immer.)

      

2. Das Mittagessen ist gerade eine Stunde her, da kommen die Kollegen fröhlich mit Kuchen für alle hereingeschneit.

Mit Pen: Als vorbildlicher Diabetiker könnte man jetzt den Kuchen ablehnen und noch 3 Stunden warten, bis die Wirkdauer des Mittags-Insulins zu Ende ist, dann messen und entsprechend spritzen. Aber wenn der Kuchen doch so verlockend da steht... Ihr ahnt es: Das war nie wirklich mein Ding und wird es wohl auch nie werden. Also habe ich sonst meinen Pen genommen, bin von einem Wert im Normbereich ausgegangen, und habe ohne Korrektur die KE für den Kuchen berechnet und dementsprechend gespritzt. Die Folge: Mit einer Chance von 33,33 % landete ich hinterher bei einem guten Wert. :D

Mit Pumpe: Einmal Blutzucker messen und die KE für den Kuchen schätzen. Der BolusExpert rechnet jetzt abhängig von meinem noch aktiven Insulin und dem aktuellen Wert aus, was ich spritzen muss. Fertig. Herrlich einfach und die Chancen auf einen guten Wert sind auf mindestens 80% gestiegen (wäre da nicht noch das KE-Schätzen... ;-)).

 

 

Ein Hinweis sei allerdings noch gegeben: Der BolusExpert ist zwar super hilfreich, mitdenken sollte man aber trotzdem noch. Denn der BolusExpert weiß natürlich nicht, ob ihr euch gleich noch bewegen wollt, ob ihr üblicherweise auch nach dem Essen mit euren Werten nie über 180 mg/dl steigt (es soll ja solche Fälle geben...), ob ihr gerade besonders gestresst seid und mehr Insulin braucht, oder oder oder...

All das solltet ihr immer im Hinterkopf behalten und ggf. den BolusExpert auch mal korrigieren. Letztlich kennt euch niemand besser als ihr selbst.

 

 

Sport

Sport war ja ein wichtiger Punkt bei meiner Entscheidung für die Pumpe. Mit entsprechend hohen Erwartungen bin ich auch an die Sache herangegangen und bislang nicht enttäuscht worden. Das (Basketball-)Training verlief auch mit Pen schon einigermaßen gut, teils musste ich halt etwas Saft "nachtanken", aber im Großen und Ganzen war ich nicht unzufrieden. Mit der Pumpe hat sich das Ganze weiter stabilisiert, mit einer temporären Basalrate von 80% bewege ich mich momentan meist zwischen 70 und 160 mg/dl.

 

Was mir die Werte aber regelmäßig zerstört hat (und damit meine ich: Jenseits der 300 mg/dl), waren unsere regelmäßig stattfindenden Spiele. In unserer Liga bedeutet das 20 Saisonspiele, hinzu kommen Pokal- und Vorbereitungsspiele. Klingt erstmal nicht viel, wenn aber der ganze Tag dadurch wertemäßig im Eimer ist, verzichtet man doch gerne darauf. Wieso meine Werte so ansteigen, konnte ich noch nicht ganz ergründen, aber es wird wohl irgendwie mit dem Adrenalin zusammenhängen (auch, wenn ich mich eigentlich gar nicht besonders aufgeregt fühle).

Da wir seit dem Anlegen der Pumpe erst ein Spiel hatten, kann ich nur davon berichten, aber das immerhin positiv: Ich habe die temporäre Basalrate auf 150% gestellt und siehe da: Meine Werte stiegen die ganze Zeit nicht über 174 mg/dl. Für mich ist das ein riesiger Gewinn; allein für diesen Effekt lohnt sich die Pumpe schon. 

 

Übrigens handhabe ich das Tragen der Pumpe beim Sport so, dass ich sie die meiste Zeit über im Sport-BH trage. Dort stört sie mich kaum und auch beim Sprinten oder Springen merke ich sie nicht wirklich. Beim Spiel habe ich sie für die Zeit, in der ich eingewechselt wurde, kurz abgekoppelt und bei meiner Auswechslung dann wieder angeschlossen und ein bisschen Insulin abgegeben. Da beim Basketball beliebig oft gewechselt werden kann, spiele ich üblicherweise nicht länger als 5-10 Minuten am Stück, da funktioniert das wirklich gut.

 

Pizza und Co.

Natürlich habe ich die Pumpe direkt mal ein paar Härtetests unterzogen. In den ersten Tagen hatte ich jetzt je einmal das Vergnügen mit Burgern, Pizza, chinesischem Essen und All you can eat-Sushi.

Hier kam jeweils der duale Bolus zum Einsatz und hat mich auch restlos überzeugt. Nach all den oben genannten Mahlzeiten hatte ich sonst das Problem, dass ich nach einer gewissen Zeit (nach ca. 4-8 Stunden) ziemlich hohe Werte hatte. Schuld waren wohl die Fett-Protein-Einheiten (FPE), die für einen späten Blutzuckeranstieg sorgen.

Der duale Bolus gibt einen Teil des Mahlzeiteninsulins sofort ab und einen weiteren Teil verzögert über maximal 8 Stunden. Bei allen Mahlzeiten hatte ich diesmal keinen späten Blutzuckeranstieg, ein super Erfolg also für das verzögert abgegebene Insulin! 

Um ganz bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich aber sagen, dass die Verzögerung zwar super funktionierte, die Pizza und das Sushi aber sehr hohe Werte nach ca. 2 Stunden zur Folge hatten. Hier habe ich wohl nicht genug Insulin sofort abgegeben, daran kann man aber natürlich feilen. Dass die Verzögerung so gut klappt, ist aber für mich erstmal das Wichtigste gewesen. 

 

Handhabung und Diskretion

Man sitzt am Tisch und entschließt sich, doch etwas mehr zu essen als eingeplant? In der Bahn stellt man fest, dass der Blutzucker zu hoch liegt und muss diesen korrigieren? Im Restaurant will man unauffällig das Mahlzeiteninsulin abgeben?

An Stellen, an denen ich früher den Pen rausholen musste und dafür entsetzt/mitleidig/angeekelt/neugierig angeschaut wurde oder an denen mich das (erneute) Spritzen einfach nur genervt hat, kann ich jetzt problemlos und diskret die Pumpe herausholen und darüber den Bolus abgeben. 

Ich war nie so, dass ich mich für den Diabetes geschämt oder in der Öffentlichkeit nicht gespritzt hätte (in Restaurants dafür auf Toilette zu gehen, wäre mir zum Beispiel nie in den Sinn gekommen), aber ich kann auch nicht verleugnen, dass mich die Blicke manchmal gestört haben oder mir unangenehm waren. Und auch das "Nachspritzen" mochte ich nicht wirklich, war teilweise sogar zu faul, das direkt am Tisch zu machen und habe es dann zu spät gemacht. 

 

Die Zeiten sind mit der Pumpe ebenfalls vorbei. Dass immer noch Blicke kommen, lässt sich natürlich nicht vermeiden, aber die Pumpe ruft vergleichsweise doch viel mehr interessierte Blicke hervor als der Pen, bei dem es eher in Richtung Mitleid bis Ekel ging (selbst einige meiner Freundinnen konnten es auch nach Jahren einfach nicht mit ansehen, wenn ich mir damit mein Insulin gespritzt habe). Mit Interesse kann ich deutlich besser umgehen, schließlich ginge es mir vermutlich auch so und ich erkläre auch immer gerne alles, was mit dem Diabetes zusammenhängt.

 

Tragekomfort

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber einen Großteil der Zeit stört die Pumpe mich wirklich überhaupt nicht. 

Ich habe sie meist am Hosenbund mit dem Clip befestigt oder am BH angeclipt und dort ist sie wirklich nicht lästig. Ich habe neulich sogar einmal nachgeschaut, ob sie überhaupt noch da ist :D Die meiste Zeit über denke ich gar nicht mehr daran, dass ich die Pumpe trage. 

Dieses Gefühl des "Verkabelt-Seins" und der "Behinderung", das ständige An-die-Krankheit-erinnert-Werden, das mich früher so abgeschreckt hat, habe ich mittlerweile nicht mehr. 

 

Es folgt zwar, wie gesagt, noch ein zweiter Fazit-Teil mit Aspekten, die mir (noch) nicht so gefallen, insgesamt kann ich aber schon mal vorgreifen und sagen, dass der Gesamteindruck von der Pumpe bisher eindeutig positiv ist.

 

Ich denke aber, dass das wirklich erst dadurch möglich war, dass ich mich selbst für die Pumpe geöffnet habe. Hätte man mich vor 10 Jahren dazu gedrängt, hätte ich es dort wohl ganz anders empfunden.

Ich kann deswegen auch immer noch diejenigen verstehen, die eine Pumpe nicht wollen. Auch mir hat man damals immer gesagt "Probier es doch aus, es ist wirklich gar nicht schlimm und hilft so sehr", aber solange die eigene Überzeugung nicht da ist, hilft eben alles Reden von außen nichts.

Heute kann ich aber allen, die damals auf mich eingeredet haben, sagen: Ihr hattet Recht ;-)

 

Was überzeugt euch besonders an der Pumpe? In welchen Situationen seid ihr dankbar dafür, sie zu haben? Schreibt mir wie immer gern in die Kommentare oder auch bei Facebook.
Ansonsten findet ihr mich seit Neuestem auch bei Instagram unter extrasuess_blog. Ich freue mich natürlich, wenn ihr mir auch dort folgt. :-)

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