5 Fehler, die ich immer wieder mache - obwohl ich es besser weiß

Es gibt sie, die kleinen Dinge im Alltag von Diabetikern, von denen man genau weiß, wie sie eigentlich laufen sollten und die man dann doch irgendwie immer wieder falsch macht. Aber wir wären ja alle keine Menschen, wenn ein paar Fehler nicht total normal wären. ;-)
Hier kommen 5 typische Fehler, die mir im Alltag immer wieder passieren. Vielleicht findet ihr euch ja wieder.

1. Bei einer Hypo zu viel essen

Kaum ist die Hypo da, fängt auch schon die Panik an. Das Gefühl, das man bei einer Hypo verspürt, ist wirklich alles andere als schön und natürlich will man es schnell loswerden. Bei mir führt das regelmäßig dazu, dass ich statt des völlig ausreichenden Trinkpäckchens oder ein paar Stücken Traubenzucker direkt eine Tube Jubin und eine kleine Flasche Orangensaft in mich reinschütte. Der typische "Fressflash", den wohl jeder Diabetiker aus den ein oder anderen Gründen kennt. Zunächst passiert dann natürlich das Erwünschte: Die Hypo hört auf, ich fühle mich wieder besser. Kurz darauf liegt aber mein Blutzucker regelmäßig jenseits der 200 mg/dl. Ich weiß das vorher und trotzdem reagiere ich immer wieder gleich.
Übrigens: Wenn die Panik doch mal nicht so groß ist, sorgt auf jeden Fall der Heißhunger während einer Hypo dafür, dass ich viel mehr esse als nötig wäre.

2. Die Nadeln/Lanzetten zu spät wechseln

Jaja, man lernt irgendwann mal, dass man bitte nach jedem Spritzen und jeder Messung die Nadel bzw. die Lanzette austauschen sollte. Das hat auch seine guten Gründe; wer mal Bilder von einer mehrfach benutzten Nadel unter dem Mikroskop gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Ansonsten findet ihr hier eine elektronenmikroskopische Aufnahme einer mehrfach gebrauchten Nadel.
Nicht nur, dass die Nadeln stumpf werden, auch das Infektionsrisiko erhöht sich. Aber wie das so ist... in der Praxis wechsle ich dann natürlich doch nicht jedes Mal die Nadeln oder Lanzetten; nicht mal jeden Tag. Ich schreibe hier auch besser nicht hin, wie lange ich teils mit ein und derselben Nadel gespritzt habe, denn das ist wirklich nicht zur Nachahmung empfohlen. Auch hier weiß ich es also besser, das Wechseln dauert gerade mal 10 Sekunden, also warum mache ich es nicht einfach? Tatsächlich bin ich selbst für diese paar Sekunden meistens zu faul. Ich versuche jetzt aber, das Ganze zumindest jeden Tag zu wechseln, was aber auch wirklich das Minimum sein sollte.

 

3. In noch wirkendes Insulin "hineinspritzen"

Mein Insulin Novorapid hat eine Wirkzeit von etwa 3-4 Stunden. Soviel ist mir bekannt. Wenn ich aber 2 Stunden nach der letzten Injektion messe und einen Wert von 250 mg/dl habe, bin ich so frustriert, dass ich diesen direkt korrigiere, und zwar ganz so, als hätte ich nicht noch wirkendes Insulin im Körper. Die Konsequenz kommt dann meist 1-2 Stunden später: Die Insulinwirkung überschneidet sich und ich rutsche in eine Hypo, da die Korrektur natürlich zu hoch bemessen ist, wenn ich noch wirkendes Insulin im Körper habe.
Bei mir ist es da einfach so, dass ich den schlechten Wert sehe und ihn schnellstmöglich "weg haben" will.

 

4. Körperliche ANzeichen fehldeuten

Schwindel? Zittern? Ein komisches Gefühl im Kopf? Schwitzen? Für mich direkt klassische Hypo-Anzeichen und dank meiner Hypo-Angst ein Grund, sofort zu messen oder auch gleich direkt etwas zu essen, damit ich bloß keine Zeit verliere. Anstatt in mich hineinzuhorchen und zu überlegen, ob ein niedriger Wert gerade sonderlich wahrscheinlich ist, wenn ich doch eigentlich vor einer halben Stunde schon gemessen habe und da 150 mg/dl hatte oder aber kurz innezuhalten und zu überlegen, ob die Anzeichen nicht eine andere Ursache haben könnten, greife ich lieber direkt zum Messgerät. Das Resultat habe ich bereits geschildert: Ich messe viel zu viel.

Ich gelobe auch hier Besserung ;-) -  und ich habe es tatsächlich jetzt schon mehrfach geschafft, nur 6x täglich zu messen und genauer darauf zu achten, ob ich mich gerade wirklich unterzuckert fühle oder ob das Gefühl noch andere Ursachen haben kann.

5. Keinen/ zu wenig / zu viel Spritz-Ess-Abstand einhalten

Die Sache mit dem Spritz-Ess-Abstand... 10 meiner 12 Jahre mit Diabetes dachte ich, dass ich mit Novorapid überhaupt keinen Spritz-Ess-Abstand brauche, weil es ja direkt wirkt. Tatsächlich habe ich sogar viele Jahre lang erst nach dem Essen gespritzt. Das war auch eine Zeit, in der ich gar nicht postprandial (nach dem Essen) gemessen habe, aber ich kann mir gut vorstellen, dass diese Werte katastrophal gewesen sein werden. Dank dem Freestyle Libre konnte ich nämlich sehen, dass auch beim Spritzen unmittelbar vor dem Essen meine Werte (je nachdem, was ich gegessen habe) in der ersten Stunde auf gut 250-300 mg/dl ansteigen, bevor sie sich wieder einem normalen Niveau nähern. Ich habe herausgefunden, dass das Novorapid bei mir gut 25-30 Minuten benötigt, bis es tatsächlich anfängt zu wirken. Somit wäre das mein idealer Spritz-Ess-Abstand. Einhalten kann ich den aber nicht immer.

Im Restaurant weiß man nicht, wann das Essen kommt und auch zu Hause kann man das nicht immer ganz genau planen. So kommt es dazu, dass ich manchmal spritze und das Essen sich verzögert und ich dann mit einem Wert von 60 mg/dl am Tisch sitze und erstmal Traubenzucker essen muss statt der langsamer wirkenden Kohlenhydrate. Andersrum ist es natürlich auch möglich, dass es mal schneller geht oder die Planung einfach nicht so 100%ig läuft, wie man sich das vorstellt.
Ich muss aber sagen, dass ich mit diesem "Fehler" insgesamt doch recht gut leben kann. Ab und an ins Restaurant zu gehen, ist einfach ein Stück Lebensqualität, auf das ich nicht verzichten möchte und dafür nehme ich dann auch mal hohe postprandiale Werte in Kauf. Alles in allem weiß ich immerhin inzwischen, dass ich einen Spritz-Ess-Abstand brauche und kann diesen zumindest meistens auch einhalten. Die kleinen Unregelmäßigkeiten des Alltags gehören eben dazu - sonst wäre es ja auch irgendwie langweilig und wir sind alle keine Maschinen.

Kommen euch einige dieser Dinge bekannt vor? Was für Fehler macht ihr immer wieder, obwohl ihr es eigentlich besser wisst?

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Kommentare: 1
  • #1

    Mocca (Dienstag, 19 September 2017 12:24)

    So ein Blödsinn nach 12 Jahren Diabetes!