Vor- und Nachteile vom Freestyle Libre

Was das Freestyle Libre ist, habe ich euch ja schon in einem anderen Artikel erklärt.
Und wie es bei fast allen Dingen im Leben so ist, lassen sich auch für das Freestyle Libre sowohl Vor- als auch Nachteile feststellen.

Diese sind sicher für jeden verschieden, die folgende Darstellung beruht also auf meiner persönlichen Erfahrung und gibt keine fixen Tatsachen wieder.


Vorteile

 

  • Weniger blutige Messungen - auch, wenn sie nicht ganz entfallen, misst man mit dem Freestyle Libre doch deutlich weniger den Blutzucker und schont somit seine Finger ;-)
  • Lückenlose Aufzeichnung der Werte (im Idealfall) - man sieht viele Aspekte des Glukoseverlaufs, die einem vorher überhaupt nicht aufgefallen sind. Hierzu zählen erfahrungsgemäß insbesondere starke Anstiege nach den Mahlzeiten (Hallo Spritz-Ess-Abstand, ich dachte eigentlich, ich bräuchte dich nicht) und nächtliche Hypos (von denen man eigentlich glaubte, man würde sie immer bemerken)
  • Trendpfeile - es ist ein enormer Unterschied, ob man 100 mg/dl hat und der Wert stabil ist, oder ob man 100 mg/dl hat und stark abfällt. Durch den Trendpfeil lässt sich abschätzen, wie man mit einem Wert umgehen muss - so kann die ein oder andere Hypo super abgefangen werden. Das bedeutet gleichzeitig auch mehr Sicherheit.
  • Weniger Umstände, mehr Flexibilität - wie sehr hasse ich es, mitten in der Stadt erstmal mein Blutzucker-Messgerät auszupacken, den Teststreifen einzustecken, in den Finger zu pieksen, das Blut aufzutragen, zu warten... das Lesegerät kann man hingegen einfach während man weitergeht an den Sensor halten und erhält unkompliziert direkt den Wert. Auch beim Autofahren und beim Sport ein enormer Vorteil! Auch je nachdem, welchen Beruf man ausübt, kann das Freestyle Libre eine große Erleichterung sein, weil das Scannen weniger Aufwand bedeutet und hygienischer ist.
  • Detaillierte Auswertungen - durch die kontinuierliche Speicherung der Werte erhält man auch ganz andere Auswertungen, als es mit "nur" Blutzucker-Messen möglich ist. Wer kann dadurch schon sagen, wie viel % der Zeit man wirklich im Zielbereich liegt und wie viel % drüber oder drunter? Mit dem Freestyle Libre geht das und die angebotenen Auswertungen sind echt praktisch. Außerdem geht der Trend ja auch immer mehr dahin, nicht nur den HbA1c als "Maß aller Dinge" zu nehmen, sondern mehr auf die Zeit im Zielbereich zu achten.
  • Es tut nicht weh - mein Bekanntenkreis hat beim Sichten der Setzhilfe erstmal einen kollektiven Schrei-Anfall bekommen (jaja, da ist eine Nadel - nein, die merkt man nicht). Aber auch, wenn es erstmal Überwindung kostet: Das Setzen hat nie weh getan und auch ansonsten hatte ich keine Schmerzen vom Tragen des Sensors.
  • Wasserdicht - Schwimmen, Duschen, Schwitzen, alles kein Problem mit dem Freestyle Libre. Es geht davon nicht kaputt und die Werte werden auch nicht in irgendeiner Form beeinflusst. (Achtung: nur bei bis zu 1m Wassertiefe und für eine Dauer von 30 Minuten!)
  • Keine Kalibrierung - das Freestyle Libre ist "werkskalibriert", man kann es also direkt nutzen ohne entsprechende Kalibrationen durch Blutzuckermessungen durchzuführen (wie beim CGM). Allerdings ist das Entfallen der Kalibrierung in manchen Fällen auch nachteilig, wenn z.B. doch mal ein Sensor "spinnt", weil man ihn so nicht "korrigieren" kann.


Nachteile

 

  • Mögliche Allergien - für mich leider der größte Nachteil, denn ich habe wohl eine Allergie gegen Inhaltsstoffe des Klebers. Wenn ich den Sensor entferne, ist die Haut darunter rot, nässt, juckt und wirft teils kleine Bläschen. Hiermit bin ich leider auch keineswegs ein Einzelfall, wie sich ebenfalls in den sozialen Netzwerken nachlesen lässt.  Über meine Allergie und Möglichkeiten, damit umzugehen (und wie sie bei mir funktioniert bzw. leider eher nicht funktioniert haben) berichte ich an späterer Stelle auch noch. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass natürlich nicht jeder eine Allergie entwickelt und viele Allergiegeplagte mit ein paar kleinen Tricks die Allergie in den Griff bekommen haben.
  • Der Kleber - ich persönlich hatte das Problem nur bei wenigen Sensoren, aber gerade in letzter Zeit hört man verstärkt, dass der Kleber nicht allzu gut hält (jedenfalls keine 14 Tage). Man kann diesen zwar z.B. mit Kinesiotape fixieren, allerdings hat man mir bei der Kundenhotline mal mitgeteilt, dass dies von Abbott eigentlich nicht gewünscht ist.
  • Auseinandersetzen mit anderer Technik/ anderem Messverfahren - ich stelle manchmal (auch bei mir selber) fest, dass man doch irgendwie dazu neigt, den Gewebezucker mit dem Blutzucker gleichzusetzen. Das sollte man tunlichst vermeiden und sich die Unterschiede (wie oben erwähnt) wirklich klarmachen. Auch sollte man sich vorher genau über das Freestyle Libre informieren und ggf. mit seinem Diabetologen besprechen, wie das Ganze genau funktioniert. Denn wie bei allen technischen Geräten ist auch hier ein gewisses Knowhow zur richtigen Bedienung notwendig.
  • Abweichungen - immer wieder musste ich feststellen, dass Werte doch sehr stark (für mich nicht tolerierbar) abgewichen sind. Ich habe mich immer an den Abstand zwischen den Messungen gehalten, aber auch bei eigentlich konstantem Verlauf hatte ich teils Abweichungen von bis zu 70 mg/dl (wobei das Freestyle Libre hier immer den niedrigeren Wert angezeigt habe). Ob ich hier etwas falsch gemacht habe, kann ich nicht garantieren (aus meiner Sicht war es nicht so), allerdings ist dies wirklich individuell unterschiedlich. So habe ich sowohl schon von Leuten gehört, die ebenso starke Abweichungen hatten wie ich, als auch von welchen, bei denen die Messungen immer fast 1:1 übereinstimmen. Abbott war bei mir kulant und hat mir entsprechende Sensoren ersetzt - allerdings mit dem Hinweis, dass die Abweichungen laut System eigentlich noch in der Toleranz liegen - was ich bei den geschilderten Abweichungen schon etwas verwunderlich fand.
  • Der Preis - zwar ist das System insgesamt deutlich günstiger als ein CGM, allerdings kostet das Starter Paket mit Lesegerät und zwei Sensoren immerhin 169,90 € zzgl. Versandkosten; jeder weitere Sensor liegt bei 59,90 € zzgl. Versandkosten. Das bedeutet einen Preis von ca. 120 € im Monat. Dies ist für viele sicher machbar - je nachdem, ob man aber z.B. noch Kinder hat oder generell eher wenig verdient, wird es schon eng. Umso besser, dass inzwischen einige Krankenkassen das System immerhin anteilig übernehmen.
  • Fehlende Warnfunktion - im Gegensatz zu einem CGMS gibt das Freestyle Libre keinen Alarm bei stark ansteigenden oder abfallenden Werten ab.

Fazit

Allgemein kann ich jedem nur raten, das Freestyle Libre mal auszuprobieren.

Euer Diabetologe ist da der richtige Ansprechpartner und kann mit euch abwägen, ob das System für euch geeignet ist (ich finde aber, dass gerade von den Einsichten in den Verlauf eigentlich jeder profitieren kann).
Viele der von mir genannten Nachteile gelten nicht für jeden (z.B. allergische Reaktionen, Abweichungen), sodass bei den meisten vermutlich die Vorteile überwiegen werden.

 

Bei mir ist es momentan leider so, dass ich das Freestyle Libre nicht nutzen kann, weil ich die Allergie nicht in den Griff bekomme (hierzu werde ich, wie gesagt, noch Weiteres schreiben). Ich trauere dem Ganzen aber ziemlich nach, weil es im Alltag doch eine große Entlastung für mich war und ich hoffe, dass ich es irgendwann vielleicht doch wieder nutzen kann oder sich eine geeignete Alternative findet.

Wie geht es den Freestyle-Libre-Erfahrenen unter euch mit dem System? Welche Vor- und Nachteile seht ihr? Würdet ihr das Libre weiterempfehlen? Lasst hierzu gerne Kommentare da! Gerne dürft ihr den Artikel natürlich auch teilen :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Iris Eckl (Sonntag, 04 September 2016 20:28)

    Ich finde es nachteilig, das ich nur mit dem aktivierenden Messgerät scannen kann.
    Ansonsten bin ich begeistert und möchte es nicht mehr missen.

  • #2

    Hartmut Figge (Montag, 05 September 2016 12:16)

    Die Dinge die du geschrieben hast kann ich übernehmen, aber was mich Fuchs ist keine warnfunktion und besonders die Abweichungen zwischen Blut und Sensor . Bin am unterzuckern ..Blutzucker sagt 39 ,libre sagt 98 . Das geht in meinem Job nicht . Kämpfe für ein anderes Gerät mit warnfunktion. Man wir sind Typ 1 Diabetiker. Da kann mann sich sowie nicht leisten . Meat mal ne Zeit immer gegen . Dann werdet ihr sehen ,was für unterschiedliche Messungen auftauchen .See you und weiter so !!!

  • #3

    Merk (Freitag, 04 Oktober 2019 10:25)

    Allergie?
    Ich bin auch empfindlich gegen Hautkontakte mit natürlichen oder chemischen Mitteln. Habe gerade mit einem 2-Wochenversuch mit Free Style getartet. Finde die Idee hervorragend. Warum das Ganze aber fast doppelt so teuer ist wie die Accu Stechmethode ist nicht auszumachen. Der Produzent verdient sich damit eine goldene Nase. Wenn die Krankenkassen da ein wenig Druck machen und das System bezahlen würden, könnte der Preis sinken. Die psychische Belastung ist um ein Vielfaches niedriger und die Umtriebe auch.
    Allergien kann man vermeiden durch bessere Hygiene und Wechsel der Aufpflanzstellen.
    Beine sind besser als Arme. Haare vorher entfernen.
    Die aus der Differenz entstehenden selber zu tragenden Kosten sind jedoch vernachlässigbar. Ich habe nicht mehr als 200.- pro Jahr berechnet. Unverständlich ist, dass das Sensorsystem teilweise für Mellitus I bezahlt wird, für Mellitus II jedoch nicht.
    Die Unterschiede der Messwerte sind meist in der Zeitdifferenz zwischen Blutmessen und Hautmessen, da Hautmessen immer eine Verzögerung hat.
    Insulin, auch mit Kurzzeitigem ist öfters nicht besser als Metformin. Metformin muss aber richtig eingestellt sein, d.h am Anfang weniger dann mehr (500 mg-1500 mg). Es gibt aber noch andere Medikamente, die mit dem Arzt besprochen werden sollten. Ich erachte die Nebenwirkungen als geringer, als mit Insulin. Bei mir hat das Metformin den Effekt, dass ich meine Süssigkeitsattacken in den Griff bekommen habe und das Abnehmen besser möglich wird. Gewicht, Bewegung, Ernährung sind 3 Elemente, die die ganze Gesundheitsituation mehr beeinflussen, als die Medikation. Mellitus II Patienten haben da ein grosses Sparpotential. Braucht aber Disziplin.
    Entzündungen haben auf die Wirkung Einfluss, also darauf achten.

  • #4

    Caro (Freitag, 04 Oktober 2019 10:52)

    Lieber Merk,
    mir ist nicht ganz klar, was du mit deinem Kommentar genau sagen möchtest, aber ich versuche mal, darauf einzugehen. Zunächst einmal übernehmen nach meinem Kenntnisstand mittlerweile die allermeisten Krankenkassen das Freestyle Libre (natürlich bei gegebener Indikation und ordentlicher, vollständiger Antragstellung) anstandslos. Davon sinkt aber der Preis ja nicht, wenn man es selbst bezieht und nicht über die Krankenkasse laufen lässt (so verstehe ich dich jetzt). Da du viel von Diabetes Typ 2 sprichst, gehe ich davon aus, dass du Typ 2 hast. Wie es da mit der Übernahme aussieht, weiß ich natürlich nicht, kann aber nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten und alle Typ 2er, von denen ich weiß, dass sie das Libre haben wollten und bei denen auch die Indikation bestand, haben es auch bekommen.
    "Allergien kann man vermeiden durch bessere Hygiene und Wechsel der Aufpflanzstellen" - leider nur bedingt. Ich gebe dir Recht, dass Hygiene wichtig ist und dass man das Freestyle Libre nicht immer an ein und derselben Stelle setzen sollte, sagt ja eigentlich schon der gesunde Menschenverstand. Aber wenn man eine Allergie hat, dann hat man sie. Da lässt sich dann mit Hygiene (und du kannst mir glauben, dass ich die eingehalten habe) auch wenig anrichten. Zudem hat die Setzstelle, zumindest bei mir, überhaupt keinen Einfluss. Ich habe Arme, Beine, Bauch, Gesäß und Brust getestet - die Allergie war überall gleich. Und das ist für mich auch nur logisch, denn wie gesagt, wenn es eine "echte" Allergie ist, dann hat man sie eben, und das nicht nur an den Armen, sondern eben überall.
    Unterschiede bei den Messwerten auf Grund der zeitlichen Differenz sind ebenfalls mir sowie jedem, der eine Einweisung zum Libre bekommen hat, bekannt. Hier redet man aber von geringen Unterschieden und nicht von "Sensor zeigt LO, Blutzucker liegt bei 140 mg/dl". Auch hier muss man differenzieren. Ich weiß, dass viele bereits bei Abweichungen von 10 mg/dl wütend sind und das als zu viel empfinden, das ist aber natürlich Quatsch. Es gibt immer leichte Abweichungen, Toleranzen und der Glukosewert ist nunmal träger. Aber wenn über Stunden mein GZ laut Libre nur bei LO hängt und ich in Wirklichkeit einen eher leicht erhöhten Blutzucker habe, fällt das für mich in eine andere Kategorie.
    Den Zusammenhang zwischen dem Thema "Freestyle Libre" und deinen Ausführungen zu Metformin kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wichtig ist für mich, Metformin ist für Typ 2-Diabetiker geeignet und evtl. auch bei Typ 1 vertretbar, wenn sich Resistenzen gebildet haben. Ansonsten ist Metformin für Typ 1-Diabetes, den ich nunmal in diesem Blog thematisiere, absolut NICHT besser als Insulin, denn Insulin ist hierfür das EINZIG richtige Medikament. Ich gehe davon aus, dass du nur für Typ 2-Diabetes gesprochen hast, aber trotzdem ist es mir wichtig, dass hier nochmal klarzustellen. Es geistern viel zu viele dubiose Ratschläge im Internet herum, laut denen man Typ 1-Diabetes wahlweise mit Metformin, Zimt oder Klangschalen-Therapie (übertrieben gesprochen) behandeln kann, aber das wird schlichtweg nicht funktionieren. Bei Typ 1-Diabetes produziert der Körper kein Insulin mehr und da hilft Metformin absolut null. Das nur nochmal zur Klarstellung - ich gehe, wie gesagt, davon aus, dass deine Aussage sich auf Typ 2 bezog.